Der ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad vertritt in einem im heutigen «Tages-Anzeiger» veröffentlichten Interview die These, dass «der Islam aus verschiedenen Gründen faschistische Züge aufweist: Er unterteilt die Welt in Gläubige und Ungläubige; er schliesst Andersdenkende aus; er strebt die Weltherrschaft an; er tötet seine Gegner». Und weiter: «Die Quelle der Krankheit liegt im Ursprung des Islam. Das Problem der islamischen Welt ist, dass man entweder nicht anerkennen will, dass man krank ist, oder dass man stets die falsche Diagnose stellt und deshalb zur falschen Medizin greift.»
Wenn Abdel-Samad Moslems und Islamisten unbesehen in den gleichen Topf wirft, macht er genau das Gleiche, was er dem Islam zum Vorwurf macht, nämlich die Welt in «Gut» und «Böse» einzuteilen, nur dass für ihn der Islam das Böse ist und der Rest der Welt das Gute. Zudem widerspricht er sich, wenn er einerseits sagt, das Christentum sei früher auch gewalttätig und kriegerisch gewesen, habe sich aber über die Jahrhunderte zu einer aufgeklärten Religion weiterentwickelt, während er dem Islam jegliche Chance zu einer ähnlichen Entwicklung abspricht mit der Begründung, der Islam sei schon von seiner «Quelle» an eine «Krankheit». Völlig einseitig und verzerrend auch sein Hinweis auf Beziehungen Adolf Hitlers zu islamistischen Gruppen wie etwa der Muslimbrüderschaft. Objektiverweise müsste Abdel-Samad dann nämlich auch auf die Beziehungen Hitlers zum Christentum hinweisen und in Erinnerung rufen, dass Hitler seinen Antisemitismus und damit den Völkermord an den Juden zum «Willen Gottes» und sich selber zu dessen Vollstrecker erklärte: «Indem ich mich der Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.»
Glaubwürdiger wäre es, wenn Abdel-Samad nicht eine einzige Religion, den Islam, anprangern würde, sondern den Fundamentalismus als solchen, der sich in jeder Religion und Weltanschauung verstecken kann. Wenn er nämlich dem Islam vorwirft, «die Welt in Gläubige und Ungläubige zu unterteilen» und «Andersdenkende auszuschliessen», dann müsste er gar nicht so weit suchen, denn das tun zum Beispiel auch die Evangelikalen inmitten unseres so genannt «modernen» und «aufgeklärten» Christentums. Auch die Behauptung Abdel-Samads, es gäbe «keinen moderaten Islam», ist schlicht und einfach falsch. So gibt es zum Beispiel in der Schweiz gemäss einer Studie der ETH-Forschungsstelle für Sicherheit gerade mal einige Dutzend gewaltbereite Islamisten, und dies bei einer Gesamtzahl von rund 450‘000 in der Schweiz lebenden Moslems!
Hamed Abdel-Samad lobt die Aufklärung, die Menschenrechte, den Fortschritt und die Demokratie. Er selber tut mit seinen einseitigen und diffamierenden Ausführungen, der Angstmacherei und dem Schüren von Feindbildern genau das Gegenteil.
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Dienstag, 8. April 2014
Montag, 27. Januar 2014
Respektlos und dumm
Ein unter anderem auch in unserer Lokalzeitung, dem «Werdenberger & Obertoggenburger» vom 27. Januar, veröffentlichtes Inserat des der SVP nahestehenden «Egerkinger-Komitees» zur Abstimmung über die «Masseneinwanderungsinitiative» zeigt eine Grafik, bei der eine rote Kurve unten links im Jahre 1970 beginnt und dann immer steiler nach oben steigt, um irgendwo etwa beim Jahr 2040 zu enden. Im rot gefüllten Feld, das die wachsende Anzahl des muslimischen Anteils an der Schweizer Bevölkerung darstellen soll, ist eine in eine schwarze Burka gekleidete Frau zu sehen und zuoberst steht in roten Lettern: «Bald 1 Million Muslime?». Weshalb und vor wem will uns dieses Inserat Angst machen? Von allen Muslimen, die ich persönlich kenne, entsprechen kein Einziger und keine Einzige dem Bild, das in diesem Inserat gezeichnet wird. Alle Muslime, die ich kenne, sind Menschen wie du und ich, gehen täglich zur Schule oder zur Arbeit, fallen weder durch ihre Kleidung noch durch ihr Benehmen speziell auf, sind offen, umgänglich und praktizieren ihre Religion nicht anders als die allermeisten Christinnen und Christen, nämlich ohne jeglichen Fanatismus und ohne Angehörige anderer Religionsgruppen davon überzeugen zu wollen, ihre Religion sei besser als andere. Menschen bloss auf ihre Religionszugehörigkeit zu reduzieren und dieser erst noch eine einseitig negative Symbolik zuzuschreiben, ist nicht nur unanständig und respektlos, sondern auch so ziemlich das Dümmste, was man tun kann, werden doch genau dadurch Vorurteile und Hassgefühle hervorgerufen, die es vorher gar nicht gegeben hat. Dass die Befürworter der «Masseneinwanderungsinitiative» zu solchen Mitteln greifen müssen, zeigt, dass sie für ihr Anliegen offensichtlich keine besseren und wirklich überzeugenden Argumente haben.
Freitag, 27. September 2013
Schleichende Islamophobie?
Antiminarettinitiative, Schulausschluss
von Mädchen mit Kopftüchern, Burkaverbot im Tessin, bald vielleicht schon
Burkaverbot in der ganzen Schweiz… Dass sich politische Gruppierungen und
Parteien mittels Feindbildern, Schuldzuweisungen und Schwarzweissdenken zu
«profilieren» versuchen – vor allem dann, wenn sie sonst nicht viel zu bieten
haben – ist hinlänglich bekannt. Dass nun aber auch ein «seriöses» Schweizer Presseorgan
wie der «Tages-Anzeiger» neuerdings auf die Islamophobie-Welle aufspringt, ist
mehr als bedenklich. Am 16. September 2013 stellte TA-Mitarbeiter Michael Meier
in seinem «Montagsporträt» auf einer halben Seite, prominent platziert und mit
Bild, den «Islamwissenschaftler» Andreas Maurer vor. Folgenden Text habe ich
dem «Tages-Anzeiger» in Form eines Leserbriefs zugeschickt, er ist aber nicht
veröffentlicht worden. Es sind bis jetzt auch keine anderen Leserbriefe zu
diesem Thema erschienen.
Dass Michael Meier in seinem Artikel den Evangelikalen Andreas Maurer, der bei Muslimen in der Schweiz für den christlichen Glauben missioniert, als «Islamwissenschaftler» bezeichnet, und dies ohne Anführungszeichen und ohne jeden kritischen Kommentar, hat mich mehr als erstaunt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Andreas Maurer tatsächlich ein wissenschaftliches Islamstudium absolviert hat, sonst käme er nämlich kaum auf so abstruse Behauptungen wie die, dass der Koran nur schon «deshalb nicht eine göttliche Heilsbotschaft» sein könne, «weil er so zentrale biblische Glaubenswahrheiten wie die Dreieinigkeit, den Kreuzestod und die Gottessohnschaft Jesu negiere». Auch Maurers Behauptung, der Islam sei eine «Religion der Angst», klingt aus dem Munde eines Evangelikalen mehr als stossend, wenn man bedenkt, wie gezielt gerade evangelikale Missionare und Prediger das Mittel des Angstmachens einsetzen. Das achtjährige Mädchen, das abends vor Angst nicht einschlafen konnte, weil seine – evangelikale – Religionslehrerin gesagt hatte, jeder schlechte Gedanken verursache im Herzen eines Menschen einen schwarzen Fleck, der für immer dort bleibe, ist nur eines von zahllosen Beispielen, die man an dieser Stelle aufführen könnte. Wer schliesslich, wie Maurer, sogar so weit geht, es für möglich zu halten, dass «das Gebilde Islam eines Tages zusammenfallen wird wie einst der Kommunismus», müsste sich mindestens die Gegenfrage gefallen lassen, ob nicht auch das Christentum – zumindest in der fundamentalistischen Art und Weise, wie es hier als «einzige Wahrheit» propagiert wird – allmählich am Ende seiner Geschichte angelangt sein könnte.
Dass Michael Meier in seinem Artikel den Evangelikalen Andreas Maurer, der bei Muslimen in der Schweiz für den christlichen Glauben missioniert, als «Islamwissenschaftler» bezeichnet, und dies ohne Anführungszeichen und ohne jeden kritischen Kommentar, hat mich mehr als erstaunt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Andreas Maurer tatsächlich ein wissenschaftliches Islamstudium absolviert hat, sonst käme er nämlich kaum auf so abstruse Behauptungen wie die, dass der Koran nur schon «deshalb nicht eine göttliche Heilsbotschaft» sein könne, «weil er so zentrale biblische Glaubenswahrheiten wie die Dreieinigkeit, den Kreuzestod und die Gottessohnschaft Jesu negiere». Auch Maurers Behauptung, der Islam sei eine «Religion der Angst», klingt aus dem Munde eines Evangelikalen mehr als stossend, wenn man bedenkt, wie gezielt gerade evangelikale Missionare und Prediger das Mittel des Angstmachens einsetzen. Das achtjährige Mädchen, das abends vor Angst nicht einschlafen konnte, weil seine – evangelikale – Religionslehrerin gesagt hatte, jeder schlechte Gedanken verursache im Herzen eines Menschen einen schwarzen Fleck, der für immer dort bleibe, ist nur eines von zahllosen Beispielen, die man an dieser Stelle aufführen könnte. Wer schliesslich, wie Maurer, sogar so weit geht, es für möglich zu halten, dass «das Gebilde Islam eines Tages zusammenfallen wird wie einst der Kommunismus», müsste sich mindestens die Gegenfrage gefallen lassen, ob nicht auch das Christentum – zumindest in der fundamentalistischen Art und Weise, wie es hier als «einzige Wahrheit» propagiert wird – allmählich am Ende seiner Geschichte angelangt sein könnte.
Dienstag, 24. September 2013
Geschichtsträchtige Tessiner Volksabstimmung
Der
22. September 2013 müsste eigentlich in die Geschichte der Schweiz eingehen als
der Tag, an dem zum ersten Mal eine Volksabstimmung stattfand über etwas, was
es gar nicht gibt. Die ominöse Burka nämlich, über welche die Tessinerinnen und
Tessiner an diesem Tag abgestimmt haben und die gemäss einer Mehrheit von 65,4
Prozent der Bevölkerung zukünftig im öffentlichen Raum nicht mehr getragen
werden darf, wurde in Tat und Wahrheit auf dem Gebiet des gesamten Kantons noch
gar nie gesichtet – ausser bei einer Frau, welche für die besagte
Volksinitiative Unterschriften gesammelt und sich zu diesem Zweck als
Burkaträgerin verkleidet hatte. Leben wir tatsächlich schon in einer so
vollkommenen Welt, dass uns die Probleme in der realen Wirklichkeit ausgegangen
sind und sich neue politische Themen nur noch in der Welt des Irrealen und der
Fiktionen finden lassen? Oder ist es so, dass sich mit Dingen, die man nicht
kennt, viel leichter Angst machen lässt als mit Dingen, die man kennt und die
einem daher auch vertraut sind? Dass dem tatsächlich so sein könnte, scheint
auf der Hand zu liegen, hat sich doch bei sämtlichen Abstimmungen der
vergangenen Jahre, bei denen es um das Zusammenleben zwischen Menschen
«einheimischer» und «ausländischer» Herkunft ging, bestätigt, dass der Grad der
«Fremdenfeindlichkeit» just in dem Masse zunimmt, als «einheimische» und
«ausländische» Menschen nicht etwa mehr, sondern,
ganz im Gegenteil, weniger Kontakt
zueinander haben. Drum, wer zukünftig Abstimmungen gewinnen und sich damit
politisch profilieren möchte, sucht am besten weitere, neue Themen in der Welt
des Irrealen und der Fiktion. Wie wäre es zum Beispiel mit einer
Volksinitiative zur Einführung einer Abschussgenehmigung für allfällig im
Oberwallis oder im Berner Oberland auftauchende Dinosaurier? Oder mit der
Einführung einer unbefristeten und bedingungslosen Verweigerung des schweizerischen
Bürgerrechts für Einwanderer aus ausserirdischen Galaxien? Oder mit einem neuen
Bundesgesetz über Sicherheitsmassnahmen bei einer Tsunami-Katastrophe?
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