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Freitag, 27. September 2013
Verpasste Chance
Die SPD
scheint vor dem Dilemma zu stehen, entweder mit der CDU eine Grosse Koalition
zu bilden und dabei zum „Handlanger“ einer Politik zu werden, die sie
eigentlich nicht mitverantworten möchte. Oder aber in die Opposition zu gehen und
sich damit dem Vorwurf staatspolitischer „Verantwortungslosigkeit“ auszusetzen.
Weshalb spricht niemand mehr von jenem dritten Weg, der nach wie vor immer noch
möglich wäre, nämlich einer Koalition der SPD mit den Linken und den Grünen,
die im Bundestag zusammen über eine Mehrheit verfügen würde? Hatte sich die SPD
in ihrem Wahlkampf nicht vor allem die soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen
geschrieben? Was läge näher als ein Zusammenschluss genau mit jenen zwei
Parteien, mit denen es in dieser zentralen Frage zweifellos die grösste
Übereinstimmung gibt? Offensichtlich, etwas anderes kann man daraus nicht
schliessen, hat es die SPD mit ihren Forderungen doch nicht ganz so ernst
gemeint. Wenn es drauf und dran kommt, scheint ihr die Erhaltung des kapitalistischen
Machtsystems doch immer noch näher am Herzen zu liegen als der vielleicht nicht
ganz einfache, aber umso dringender nötige und längst fällige Schritt hin zum
Aufbau einer neuen, nicht mehr an materieller Profitmacherei und
selbstzerstörerischer Wachstumsgläubigkeit, sondern an den Bedürfnissen der
Menschen und der Natur orientierten Wirtschaft und Gesellschaft. Schade, wenn
man schon so nahe daran wäre und die Chance dennoch nicht ergreift.
Mittwoch, 18. September 2013
«Wahlen» in Deutschland
Als
Uwe Steimle, Kabarettist und Sympathisant der «Linken», in der gestrigen
ARD-Talksendung «Menschen bei Maischberger» seine Forderung nach einer
Abschaffung aller Banken und insbesondere des Zinses, welcher das Grundübel
aller wirtschaftlichen Fehlentwicklung sei, in die Runde wirft, erntet er von
seinen Gesprächsteilnehmerinnen und Gesprächsteilnehmern nichts als ein müdes
Lächeln. So weit also haben uns 500 Jahre kapitalistischer Gehirnwäsche gebracht:
dass wir uns etwas grundsätzlich anderes als den Kapitalismus schon gar nicht
mehr vorzustellen vermögen bzw. jene, die das tun, nur einen so kleinen
Prozentsatz der Bevölkerung vertreten, dass die anderen,
die «richtigen» und «realistischen» Politiker, sie nicht einmal ansatzweise
ernstnehmen müssen. In solchen Momenten entlarvt sich die so genannte
«Demokratie» des Kapitalismus als das, was sie tatsächlich ist: eine äusserst
raffinierte Form von Diktatur. Denn im Wesentlichen,
nämlich in der Akzeptanz des Kapitalismus als einziger möglicher
Wirtschaftsordnung, unterscheiden sich die «grossen», wirklich tonangebenden Parteien
von der CDU und CSU über die SPD bis zu den Grünen nicht grundsätzlich, sondern
höchstens in einigen wenigen, letztlich unbedeutenden Nuancen. Ehrlicherweise müsste man sie daher als mehr oder weniger
fundamentalistische Flügel einer einzigen Grosspartei bezeichnen, der «Grossen
Partei des Kapitalismus». Und alle, die jetzt bei jeder Gelegenheit, auf das
Hohe Lied westlicher «Freiheit» und «Demokratie» singend, das Schreckgespenst
der SED-Einheitspartei in der ehemaligen DDR an die Wand malen, müssten sich sodann
ziemlich gute Argumente zurechtlegen, um glaubwürdig erklären zu können, was
denn die heutige westeuropäische Einheitsideologie des Kapitalismus so wesentlich
von der damaligen osteuropäischen Einheitsideologie des Kommunismus zu
unterscheiden vermag.
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